Was Multisite eigentlich ist
Eine Multisite ist eine WordPress-Installation, unter der mehrere Websites laufen, ein sogenanntes Netzwerk. Laut Handbuch von WordPress (Create A Network) teilen sich alle Seiten die Kerndateien der Installation und können sich auch Plugins und Themes teilen. In der Datenbank bekommt jede Seite eigene Tabellen, die Benutzer liegen zentral für das ganze Netzwerk.
Über allem steht der Super Admin. Die Administratoren der einzelnen Seiten können laut Multisite Network Administration keine neuen Themes oder Plugins installieren. Sie pflegen Inhalte und aktivieren, was der Super Admin freigegeben hat. Für eine Firma mit zentraler IT ist das ein Vorteil. Für eine Gruppe unabhängiger Seitenbetreiber ist es ein ständiger Engpass.
Wann sich Multisite lohnt
Multisite spielt seine Stärke aus, wenn viele Seiten dasselbe Fundament haben und eine Stelle sie pflegt:
- Länder- oder Sprachseiten einer Firma, die gleich aufgebaut sind und sich nur in Sprache, Preisen oder Rechtstexten unterscheiden.
- Standorte, Filialen oder Marken mit gemeinsamem Design, bei denen die Zentrale Theme, Plugins und Updates vorgibt.
- Viele kleine, gleichartige Seiten, etwa für Projekte, Veranstaltungen oder Abteilungen, die schnell angelegt und später archiviert werden.
Der Gewinn liegt im Betrieb: ein Theme, ein Satz Plugins, ein Update-Lauf für alle Seiten, ein Login für die Redaktion. Ein Beispiel aus unseren Projekten ist der Ringnaturshop. Dafür haben wir ein mehrsprachiges WooCommerce-System als Multisite entwickelt, das über fünf Länder-Domains läuft und Besucher per Geo-IP auf die passende Länderseite leitet. Gepflegt wird alles in einem Backend.
Eigene Domains für einzelne Seiten des Netzwerks sind kein Sonderfall mehr. Seit WordPress 4.5 ist das Zuordnen von Domains eine eingebaute Funktion von Multisite, ein Zusatz-Plugin brauchst du dafür nicht.
Wann getrennte Installationen besser sind
Sobald die Seiten eigene Wege gehen, kostet das Netzwerk mehr, als es spart. Wir raten von Multisite ab, wenn einer dieser Punkte zutrifft:
- Die Seiten brauchen unterschiedliche Plugins. Jedes installierte Plugin liegt für das ganze Netzwerk bereit, auch wenn nur eine Seite es nutzt, und sein Update gilt für alle.
- Die Seiten gehören verschiedenen Eigentümern oder sollen später verkauft, abgegeben oder von einer anderen Agentur betreut werden.
- Eine Seite hat ganz andere Anforderungen an Last, Hosting oder Sicherheit, etwa ein großer Shop neben drei kleinen Infoseiten. Alle teilen sich denselben Server und dieselbe Datenbank.
- Ein wichtiges Plugin ist nicht für Multisite gebaut. Viele Plugins laufen im Netzwerk, aber nicht alle. Das prüfst du vor dem Start, nicht danach.
- Die Shops sollen Produkte, Kundenkonten oder den Checkout teilen. Das kann WooCommerce im Netzwerk nicht. Laut WooCommerce-Dokumentation speichert jede Seite ihre Daten in eigenen Tabellen und arbeitet als eigenständiger Shop. Produktdaten, Checkout-Sitzungen und Kundenkonten lassen sich über das Netzwerk nicht gemeinsam nutzen.
Für mehrere Sprachen einer einzigen Website ist Multisite nur eine von zwei Lösungen. Bleiben die Sprachversionen inhaltlich gleich, reicht oft ein Übersetzungs-Plugin in einer normalen Installation.
Was ein Netzwerk im Betrieb bedeutet
Die Vorteile im Alltag haben eine Kehrseite, die du vorher kennen solltest:
- Updates treffen alle Seiten gleichzeitig. Ein Plugin-Update, das eine Seite kaputt macht, trifft jede Seite, die das Plugin nutzt. Dasselbe gilt für Änderungen am Theme: Wer den Code eines Themes ändert, ändert ihn laut Handbuch für alle Seiten, die es verwenden. Testen auf einer Staging-Kopie des ganzen Netzwerks ist deshalb Pflicht. Wie wir dabei vorgehen, steht in WordPress-Updates sicher einspielen.
- Eine Lücke betrifft das ganze Netzwerk. Alle Seiten laufen auf denselben Dateien und in derselben Datenbank. Eine Lücke in einem Plugin ist deshalb eine Lücke für alle, und beim Bereinigen prüfst du jede Seite. Was im Ernstfall zu tun ist, beschreibt WordPress gehackt: Was jetzt zu tun ist.
- Backups laufen meist für das ganze Netzwerk. Eine einzelne Seite auf einen alten Stand zurückzusetzen, ohne die anderen anzufassen, ist Handarbeit, weil ihre Daten in derselben Datenbank liegen.
- Die Adress-Struktur legst du früh fest. Subdomains (
de.beispiel.de) oder Unterverzeichnisse (beispiel.de/de/): Hat die Hauptseite schon veröffentlichte Inhalte, die älter als einen Monat sind, verlangt WordPress bei der Einrichtung normalerweise Subdomains. Später umstellen geht laut Handbuch, ist aber nicht einfach.
Der Weg zurück ist der teure Teil
Eine Seite wieder aus dem Netzwerk zu lösen, ist laut dem offiziellen Tutorial Advanced Multisite Management möglich, verlangt aber Handarbeit. Einen Knopf dafür gibt es nicht. Der Weg sieht ungefähr so aus:
- Die Inhalte der Seite mit dem WordPress-Export als XML-Datei sichern.
- Eine neue, einzelne WordPress-Installation mit Benutzer anlegen und dort dieselben Plugins und Themes installieren.
- Die Datei importieren und die Inhalte den richtigen Benutzern zuordnen.
- Den Upload-Ordner der Seite von Hand kopieren. Im Netzwerk liegt er unter
wp-content/uploads/sites/in einem Ordner mit der ID der Seite. - Alle Adressen in der Datenbank per Suchen-und-Ersetzen anpassen.
Legen Plugins eigene Tabellen in der Datenbank an, etwa ein Shop, ein Formular-Plugin oder eine Mitgliederverwaltung, musst du diese laut Tutorial unter Umständen ebenfalls von Hand übertragen. Danach folgen Weiterleitungen und ein Test jeder Unterseite. Bei einem Shop mit Bestellungen, Kundenkonten und Zahlungsanbietern wird daraus schnell ein Projekt von mehreren Tagen.
Für das Schweizer Auktionshaus Rapp Auktionen haben wir genau so eine Trennung gemacht: Die Website wurde aus einem Multisite-Setup gelöst und danach für den Domain-Umzug vorbereitet. Wenn du so einen Schritt planst, hilft dir unsere WordPress-Migration. Wer heute ein Netzwerk aufsetzt, sollte deshalb ehrlich fragen: Gehört jede dieser Seiten in fünf Jahren noch dazu?
Fünf Fragen vor der Entscheidung
- Nutzen alle Seiten dasselbe Theme und weitgehend dieselben Plugins?
- Pflegt eine Stelle das Ganze, oder hat jede Seite eigene Verantwortliche mit eigenen Wünschen?
- Gehören alle Seiten demselben Eigentümer, und bleibt das so?
- Laufen alle wichtigen Plugins nachweislich im Netzwerk?
- Gibt es Hosting mit genug Leistung für alle Seiten zusammen, inklusive Staging für das ganze Netzwerk?
Fünfmal Ja: Multisite passt. Schon ein Nein bei Frage 2 oder 3 spricht für getrennte Installationen. Mit einem zentralen Verwaltungswerkzeug spielst du die Updates dann trotzdem von einer Stelle aus ein, testest aber jede Seite für sich, und jede bleibt beweglich.
Bei Grenzfällen schauen wir uns deine Seiten an und bauen das passende Setup. Das gehört zu unserer WordPress-Entwicklung, vom Netzwerk mit Länder-Domains und zentraler Medienverwaltung bis zur sauberen Trennung in einzelne Installationen.
Häufige Fragen
Wie richte ich WordPress Multisite ein?
Erst Datenbank und Dateien sichern und alle Plugins deaktivieren. Dann in der wp-config.php die Zeile define( 'WP_ALLOW_MULTISITE', true ); eintragen. Danach erscheint unter Werkzeuge der Punkt Netzwerk-Einrichtung. Dort wählst du Subdomains oder Unterverzeichnisse, und WordPress zeigt dir die Zeilen, die in die wp-config.php und die .htaccess gehören. Anschließend meldest du dich neu an. Die Schritte im Detail stehen in Create A Network.
Funktioniert WooCommerce mit Multisite?
Ja, aber jede Seite ist ein eigener Shop mit eigenen Produkten, Bestellungen und Kundenkonten. Für Länder-Shops mit eigenen Preisen und Rechtstexten passt das gut. Wer einen gemeinsamen Warenkorb über mehrere Seiten erwartet, bekommt ihn im Netzwerk nicht.
Kann ich eine Seite später wieder aus der Multisite herauslösen?
Ja, mit Export, neuer Installation, Import, kopierten Mediendateien und angepassten Adressen, wie oben beschrieben. Plane dafür Zeit und einen Test ein, vor allem bei Shops und bei Plugins mit eigenen Datenbanktabellen.
Subdomains oder Unterverzeichnisse?
Für Länder- und Markenseiten mit eigener Domain spielt das kaum eine Rolle, weil die Domain der Seite direkt zugeordnet wird. Sonst ist es vor allem eine Frage, wie die Adressen aussehen sollen. Entscheide es vor dem Start, denn eine spätere Umstellung ist aufwendig.
Netzwerk oder getrennte Seiten?
Wir schauen uns an, welche Seiten du betreiben willst, wer sie pflegt und wohin sie sich entwickeln, und sagen dir ehrlich, ob Multisite passt.
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